25
Sep

Kampf-Emanze

   Geschrieben von: Lena   in Allgemein

Während meiner Abi-Zeit begannen irgendwann meine Jahrgangskollegen mich neckend als „Kampf-Emanze“ zu bezeichnen. Damals hatte ich dafür kein Verständnis. Es machte mich wütend und ich empfand die Bezeichnung als Beleidigung. In meinen Augen war ich vollkommen normal. 2 Jahre zuvor hatte ich begonnen mich mit Magie und dem Hexentum zu beschäftigen. Für Feminismus, Frauenrechte und Emanzipation habe ich mich bis zu dieser Zeit nie interessiert. Ich war einfach ich. Ich fühlte mich immer frei zu sagen und zu tun, was ich wollte. Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass Frauen nicht gleichberechtigt sein könnten. Das lag absolut außerhalb meiner Vorstellungskraft. Und so verhielt ich mich auch. Und dann hieß es auf einmal, dass ich eine „Kampf-Emanze“ sei. Eine „Emanze“?  Emanzipiert ja und was war mit dem „Kampf“? Ich kämpfte doch nicht! Oder doch? Und wenn ja wofür?

Zeitsprung.

Kurz vor dem Frauenkongress Ende August war ein guter Freund meines Partners bei uns zum Grillen. Beide saßen gemütlich auf dem Balkon in der Sonne und unterhielten sich. Mein Schatz erzählte ihm gerade vom Frauenkongress. Er wich ein ganz klein wenig zurück und seine Miene verdüsterte sich. „Warum will sie dahin?“, fragte er abschätzend.
„Sie ist eine Feministin. Dort treffen sich Frauen um gemeinsam Erfahrungen in einem behüteten Rahmen auszutauschen, miteinander zu lernen, zu wachsen und auch einfach zu feiern. Ich glaube, dass das gut ist und es wird bestimmt eine tolles Erlebnis für sie.“
Ich kam dazu und er wich weiter zurück: „Wovor hast du Angst? Was denkst du gerade?“
Er überlegte und wollte nicht so recht raus mit der Sprache. „Du glaubst, dass sich dort lauter Männerhassende Kampf-Emanzen versammeln, auf euch rumhacken und verteufeln. Stimmt’s?“
Er grinste.
Ich setzte mich neben ihn und begann zu erzählen: „Vor einigen Jahren war ich auf einem anderen Kongress. Dort hielt eine Frau einen Vortrag darüber, wie schlecht alle Männer doch sein und dass nur eine ungebundene Frau für Frauen kämpfen kann, weil Männer die Sinne vergiften. Männer sein für alles Schlechte, für Kriege und Gewalt auf dieser Erde verantwortlich und wir müssten sie unterjochen, damit wieder Frieden auf diesen Planeten herrschen kann. Ich stand während der Rede auf und verließ den Raum. Ich überlegte ernsthaft den Kongress zu verlassen und abzureisen. Dann begann ich mich mit den Frauen zu unterhalten und ihnen zuzuhören. Es gab fast keine Frau, die diese extreme Ansicht gut hieß. Fast alle wollten nur eins: Gleichberechtigung. Es ging nicht darum, sich über einen Mann zu stellen. Die Frauen wussten, dass sie damit das gleiche Unrecht Männern antun würden, wie ihnen selbst angetan wurde. Es geht darum sich auf gleicher Augenhöhe zu bewegen.”
„Ja gut.“, sagte er: „ Hier in Deutschland herrscht doch aber Gleichberechtigung. Wozu brauchen wir sowas denn noch.“
„Wie viele Frauen und wie viele Männer hast du als vorgesetzte? Verdient deine Mutter das Gleiche, wie ihr Kollege?“
Er wurde nachdenklich und ich fuhr weiter: „Ich möchte dir noch etwas über die Frauen dort auf dem Kongress erzählen. Fast jede Frau, mit der ich mich dort unterhalten habe erzählte mir meist unter Tränen, dass sie körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt hat. Fast jede Frau dort wurde mindestens einmal in ihrem Leben, manchmal bereits als Kind misshandelt, verprügelt, an gegrapscht oder vergewaltigt. Ich glaube, dass darum einige wenige Frauen eine absolut ablehnende Haltung gegenüber Männern haben. Und das ist doch mehr als verständlich. Oder?“
Er nickte stumm.
„Wenn du vergewaltigt worden wärst, dein Leib geschlagen und geschunden – wärst du in der Lage Frieden zu schließen und dich dafür einzusetzen, dass ALLE MENSCHEN die gleichen Rechte haben, frei über ihren eigenen Körper bestimmen können und mit dem gleichen Respekt behandelt werden? Frauen wie Männer.“
„Ich weiß es nicht.“, sagte er bedrückt: „Aber hier ist es doch nicht so schlimm, wie zum Beispiel in Indien.“
„Alle 68 Minuten wird in Deutschland eine Frau vergewaltigt. Nach Statistiken ist jede 4. Frau in ihrem Leben mindestens ein Mal Opfer von strafrechtlich relevanten Formen von sexueller Gewalt. Wir reden jetzt nicht über dumme Sprüche oder angefragtes und unerwünschtes an den Hintern gegrapsche. Das erlebt so ziemlich jede Frau. Hast du eine Mutter, eine Schwester, eine Oma, eine Tante?“
„Ja.“
„Höchstwahrscheinlich ist eine von ihnen schwerst misshandelt oder vergewaltigt worden.“
Schweigen. Trauer und Bedrückung stand in seinen Augen.
„Darum brachen wir Kampf-Emanzen. Und wir brauchen noch viel mehr Männer, die in uns nicht abwerten und Angst haben, sondern und unterstützen und sehen, um was es eigentlich geht. Feminismus bedeutet nicht die Herrschaft von Frauen über Männer. Feminismus bedeutet die Gleichstellung ALLER MENSCHEN. Von dir und mir.“
Er lächelte.

Manchmal fängt Feminismus damit an sich der Angst und Vorurteile an zu nehmen. Auch den eigenen.

Zauberhafte Grüße
Lena

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, September 25th, 2014 um 11:31 in der Kategorie Allgemein. Du kannst via RSS 2.0 alle Antworten auf diesen Beitrag verfolgen. Du kannst ebenfalls einen Kommentar schreiben, oder die Trackback-Funktion Deiner eigenen Seite verwenden.


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